
Gábor von Vaszary
Gábor von Vaszary gehört zu jenen Autoren des 20. Jahrhunderts, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Dabei schuf der ungarische Schriftsteller mit feiner Selbstironie, autobiografisch geprägten Protagonisten und scharfem Blick für die kleinen Dramen des Alltags eindrucksvolle literarische Porträts des städtischen Lebens in der Nachkriegszeit.
Vita
1897 in Budapest geboren, besuchte Vaszary nach dem Gymnasium die Akademie der Schönen Künste. 1924 zog es ihn zu einem Studienaufenthalt nach Paris. Dort musste er sich zunächst ohne Sprachkenntnisse und nahezu mittellos als einfacher Arbeiter durchschlagen. Die Eindrücke dieser Jahre prägten sein späteres literarisches Schaffen nachhaltig. Paris, das er liebevoll als „Hauptstadt der Welt“ oder gar als „irdisches Paradies“ bezeichnete, wurde zum zentralen Schauplatz vieler seiner Werke. Seine Geschichten spielen in den charakteristischen alten Mietshäusern der Stadt mit ihren kleinen Wohnungen und verwinkelten Innenhöfen. Die Figuren sind Journalisten, Illustratoren und Künstler, die sich von Auftrag zu Auftrag hangeln, von Honorar zu Honorar leben und zugleich mit den Wirren der Liebe ringen.
Immer wieder sind es die großen Themen Liebe und Paris, um die sich Vaszarys Erzählungen drehen. Mit der Ironie eines Kurt Tucholsky und der Menschenkenntnis eines Thomas Mann beschreibt er die allzu menschlichen Dilemmata seiner Figuren: Wie sie zwischen der Freiheit des Alleinseins und der Sehnsucht nach Zweisamkeit und Liebe hin- und hergerissen sind. Das Ganze ist stets locker-leicht erzählt, zwischen selbstironischer Innenschau und bissiger Alltagsbetrachtung.
Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller verdiente Vaszary seinen Lebensunterhalt als Illustrator, Plakat- und Porträtmaler, Modezeichner, Journalist und verfasste Kinderbücher. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn im Jahr 1932 emigrierte er 1947 in die Schweiz, wo er weiterhin als Journalist und für den Hörfunk tätig war.
Auch als Drehbuchautor war er erfolgreich. Sein Bühnenstück „Bubus“, das in deutscher Fassung unter dem Titel „Schäm dich Brigitta“ erschien, wurde gleich zweimal verfilmt: 1943 als „Geliebter Schatz“ und 1952 als „Wir werden das Kind schon schaukeln“ mit Heinz Rühmann, Hans Moser und Theo Lingen in den Hauptrollen. In einer von Oliver Heinz Karbus überarbeiteten und modernisierten Fassung bringt der Theaterverein Trauterfing diese Verwechslungskomödie unter dem Titel „Der Liebesbrief“ in diesem Jahr auf die Freilichtbühne in Kleinhochreit.
Gábor von Vaszary starb 1985 im schweizerischen Lugano. Sein Werk bleibt eine ebenso humorvolle wie feinfühlige Hommage an das Pariser Stadtleben und die Verwicklungen der Liebe.
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Quellen: wikipedia.org / zeit.de