Sie sind hier: Home / Theater 2018 / Autor 

Ludwig Anzengruber

wurde am 29. November 1839 in Wien als Sohn des Hofbuchhalters Johann Nepomuk Anzengruber und Maria Anzengruber, der Tochter eines kleinbürgerlichen Apothekenprovisors, geboren.

Als sein Vater 1844 starb, war Anzengruber erst fünf Jahre alt. Seine Mutter, die immer mehr zur bestimmenden Person seines Lebens wurde, versuchte mit einer spärlichen Witwenpension die Familie zu versorgen. Die Mutter überließ dem Sohn die kleine Bibliothek des Vaters, in dem vor allem die Werke William Shakespeares und Schillers den Jungen besonders beeindruckten.
Als 1854 Anzengrubers Großmutter, die eine große Stütze für Tochter und Enkel war, starb, war die Wohn- und Lebenssituation gefährdet und Anzengrubers Mutter eröffnete u.a. ein Bettwarengeschäft, um der finanziellen Not zu entgehen. Nach dem Besuch der Volksschule und der Unterrealschule besuchte er 1855 die erste Klasse der Oberrealschule, brach aber seine Schullaufbahn wegen Mittellosigkeit ab und nahm von 1856 bis 1858 eine Praktikantenstelle in der Buchhandlung Sallmeyer an. Hier konnte er endlich sein Lesebedürfnis stillen – allerdings musste er die Stelle nach Streit mit seinem Vorgesetzten aufgeben. Neben seiner Ausbildung nahm er Schauspielunterricht.

Nach einer schweren Typhuserkrankung versuchte sich Anzengruber mit 19 Jahren als Berufsschauspieler, zog mit seiner Mutter in wandernden Schauspielgruppen durch die Provinzen der österreichischen Monarchie, durch Kroatien und Ungarn, und wurde als Statist und Aushilfsschauspieler engagiert, wobei ihm allerdings sein Dialekt, den er nie ganz ablegen konnte, hinderlich war. Ab 1866 lebte er wieder in Wien, es entstanden mehrere Dramen und einige kleinere Erzählungen.

Einen Durchbruch erlebte Anzengruber erst mit dem Volksstück "Der Pfarrer von Kirchfeld", das 1870 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde und den Autor sofort berühmt machte. Der über Nacht erfolgreich gewordene Autor lebte ab da als freier Schriftsteller.

1873 heiratete Anzengruber die sechzehnjährige Adelinde Lipka, die Schwester seines Jugendfreundes Franz Lipka. Diese war jedoch den Anforderungen des praktischen Lebens nicht gewachsen, und es kam wiederholt zu Streit und Ehekrisen. Grund dafür war neben den hohen Schulden auch das sehr enge Verhältnis Anzengrubers zu seiner Mutter, die allerdings 1875, zwei Jahre nach der Eheschließung des Sohnes, starb. 1889 wurde die Ehe geschieden.

Auch Anzengrubers nächste Stücke "Der Meineidbauer" und "Die Kreuzelschreiber", mit dem es Anzengruber gelang, das aktuelle Zeitstück mit der traditionellen Volkstheaterkomödie zu verknüpfen, waren sehr erfolgreich. In ganz Europa wurden seine Stücke gespielt, 1874 wurde "Der Gwissenswurm" uraufgeführt, das in Deutschland meistgespielte Lustspiel Anzengrubers.

Obwohl er 1878 mit dem Schillerpreis ausgezeichnet wurde, ließ sein Erfolg nach, was ihn wieder in finanzielle Nöte brachte. 1887 wurde ihm der Grillparzerpreis für die Komödie "Heimg’funden" (1885) zuerkannt. Im September 1888 erhielt er eine feste Anstellung als Dramaturg für das deutsche Volkstheater an der Wien, das am 14. September 1889 mit Anzengrubers "Der Fleck auf der Ehr" eröffnet wurde.

Anzengruber, ein ausgesprochener Volksaufklärer und Sozialreformer, liberal und antiklerikal orientiert, konzentrierte sich in seinen Stücken auf die Darstellung sozialer Beziehungen in einer überschaubaren, sehr häufig dörflichen Umwelt und versuchte im Rahmen der tradierten Dramaturgie, aktuelle soziale und politische Probleme deutlich zu machen. Zu diesem Zweck verwendete er einen Kunstdialekt, der auch außerhalb Österreichs gut verständlich war. Er vertiefte die Charakterzeichnung psychologisch und stilisierte Milieu und Dialekt. Ähnlich verfuhr er mit der Dorfgeschichte.

Spätere Prosatexte, u.a. "Märchen des Steinklopferhanns" (1884) und der Roman "Der Sternsteinhof“ (1885) sind durch ihre Verbindung von Milieuschilderung und sozialen Problematiken bereits dem Naturalismus zuzurechnen. Bereits zu Lebzeiten als "volkstümlicher Klassiker" gefeiert, wurde Anzengruber später v.a. als Dramatiker rezipiert. Beim Publikum blieb seinem Theaterwerk jedoch trotz mehrmaliger Wiederbelebungsversuche kein Erfolg beschieden. Für die österreichische Arbeiterbewegung galt Anzengruber wegen seiner sozialkritischen Stücke als einer der bedeutendsten Volksdichter, viele seiner Dramen wurden später verfilmt.

Anzengruber versuchte ernst-heitere Volksstücke mit sentimentalen und sozialkritischen Elementen zugleich zu verfassen. Dabei spielte die soziale Zugehörigkeit seiner Eltern eine immer wiederkehrende wichtige Rolle. Heute gilt er als bedeutender Dramatiker des österreichischen Volksstücks in der Tradition Johann Nestroys und Ferdinand Raimunds.

Anzengruber erkrankte an Milzbrand und starb, erst fünfzigjährig, am 10. Dezember 1889 an den Folgen einer Blutvergiftung. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet.

Mit „Der Gwissenswurm“ inszeniert der Theaterverein Trauterfing schon zum zweiten Mal ein Stück aus der Feder von Ludwig Anzengruber. Bereits 2014 kam mit „Der ledige Hof“ eine seiner Komödien in Kleinhochreit zur Aufführung.

 

Quellen: Schinnerl, I. (o.J.). Anzengruber, Ludwig. Austria-Forum. Verfügbar unter: https://austria-forum.org/af/Biographien/Anzengruber%2C_Ludwig; Wikipedia; eigene Bearbeitung

Allgemeiner Zugang ohne Login!
Spezielle Zugänge bitte hier anmelden!

Login

© by Theaterverein Trauterfing e.V. | Kontakt  | Gästebuch  | Impressum  | Datenschutz