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Ödön von Horváth

Ödön von Horváth wurde am 09.12.1901 in Fiume, dem heutigen Rijeka (damals ungarisch, heute kroatisch), als Sohn eines Diplomaten geboren. Die Tätigkeit des Vaters führte den liberal und weltoffen erzogenen Jungen in seinen Kindheits- und Jugendjahren nach Belgrad, Budapest, München, Pressburg und Wien, wo er im Sommer 1919 die Matura ablegte und sich noch im selben Jahr an der Universität München für das Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik einschrieb.

Horváth begann 1920 als Bühnenautor in seiner Muttersprache Deutsch zu schreiben. Sozialpolitische Stoffe bildeten von Beginn an den Kern seines dramatischen Gesamtwerks. Anhand von Einzelschicksalen verarmter, perspektivloser Kleinbürger, der Frage nach Verantwortung und Schuld sowie der Rolle von Frauen in patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen zeichnet er Bilder einer entfremdeten und sozial deprivierten Gesellschaft. Horváth gilt dabei als Erneuerer des Volksstücks.

In seinem Verständnis sollen die Alltagsprobleme der einfachen Leute unter Verwendung einer direkten und ungeschönten Sprache möglichst volkstümlich dargestellt werden. Er will die Welt so schildern, „wie sie halt leider ist“. Ab 1923 lebte Horváth vor allem in Berlin, Salzburg und bei seinen Eltern in Murnau am Staffelsee. In dem oberbayerischen Ort verlebt der junge Mann bis 1933 eine gute Zeit und verwebt dort erlebte Begegnungen und Erfahrungen auch in seinen Romanen. In dieser Hauptphase seines künstlerischen Schaffens lässt er sich zu einigen seiner bekanntesten Stücke inspirieren, wobei er teilweise an Nestroy anknüpfte, seinen Stil jedoch in Richtung Surrealismus eigenständig weiterentwickelte.

Mit Sorge beobachtete Horváth die mit dem Nationalsozialismus einhergehenden politischen Veränderungen. Als Dichter der Zwischenkriegszeit wandte er sich von Anfang an gegen die sich bereits abzeichnende Diktatur, die Dämonie des Kleinbürgertums und vor allem die Verführung der Jugend; nicht nur im politischen Bereich, auch in der Herzenskälte und Kontaktlosigkeit der Menschen sah er die verhängnisvolle Entwicklung seiner Zeit.

Klassiker der Moderne

Seinen Durchbruch erlebte Horváth 1929 mit den Uraufführungen von „Bergbahn“ und „Sladek“, mit welchem er bereits vor den Gefahren des Faschismus warnte. Seine größten Erfolge waren ab 1931 die Uraufführungen von „Italienische Nacht“, „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und „Kasimir und Karoline“. Im selben Jahr erhielt er hierfür auf Vorschlag von Carl Zuckmayer den renommierten Kleist-Preis.

Doch der Erfolg sollte nicht lange anhalten: Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten übersiedelte Horváth nach Wien. 1933 heiratete er die jüdische Sängerin Maria Elsner. Eine Woche vorher hatte Horváth seine langjährige Freundin Hertha Pauli bei einem Treffen mit seinem Hochzeitsplan überrascht, darauf reagierte diese mit einem Suizidversuch. Die Ehe selbst wurde ein Jahr darauf geschieden.

Weil seine Stücke in Deutschland nicht mehr aufgeführt wurden, verschlechterte sich Horváths finanzielle Situation. Erst 1937, als sein Roman „Jugend ohne Gott“, in dem er die Seelenlage der in Nazi-Deutschland zu Menschenverachtung, Rassenhass und Gehorsam erzogenen jungen Generation schildert, in Amsterdam erschien, konnte er wieder einen größeren Erfolg verzeichnen.

Horváth hatte einen grundsätzlichen Hang zum Pessimismus und Okkulten. Er war abergläubischem Empfinden nicht abgeneigt und plauderte gerne über alle möglichen Unglücksfälle, über groteske Krankheiten und Heimsuchungen aller Art, auch Gespenster, Hellseher, Wahrträume, Halluzinationen, Ahnungen, das Zweite Gesicht und andere spukhafte Phänomene.

Regelrecht verliebt gewesen sei er ins Unheimliche, das Dämonische sei ein Element seines Wesens gewesen.

So wundert es nicht, dass Horváth in Amsterdam eine Wahrsagerin aufsuchte, die ihm prophezeit haben soll, dass ihm in den ersten Tagen des Juni 1938 auf einer Reise „das bedeutendste Ereignis seines Lebens“ bevorstünde. Vermutlich hat er diese Prophezeiung nicht als schlechtes Omen gedeutet, denn Ende Mai 1938 kam Horváth nach Paris, um mit Regisseur Robert Siodmak über die Verfilmung seines Romans „Jugend ohne Gott“ zu sprechen.

Nach einem ersten, vielversprechenden Treffen am Mittag des 1. Juni lehnte Horváth das Angebot, mit dem Automobil zurück ins Hotel zu fahren, ab, mit der Begründung, dass ihn Autos ängstigen und die Straße zu gefährlich sei. Der abergläubische Mann ging stattdessen zu Fuß und wurde noch am selben Abend während eines Gewitters auf den ChampsÉlysées von einem herabstürzenden Ast erschlagen.

In den sechziger Jahren setzte eine Horváth-Renaissance ein. Seither werden seine Dramen regelmäßig an den deutschsprachigen Bühnen aufgeführt, viele seiner Stücke wurden teils mehrfach verfilmt und auch in musikalischen Texten sind Adaptionen seiner Werke zu finden. Seine Romane wurden in den Kanon der Schullektüre aufgenommen. Horváth gilt heute als sozialkritischer „Klassiker der Moderne“.

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